Transformationale Führung in der Pflege

Wer führt, lenkt. Im Pflegealltag lenken wir primär Menschen und damit Individuen. Entsprechend benötigen wir Führungsinstrumente, welche die Individualität aller Pflegenden berücksichtigt. Gute Pflegemanager fördern und fordern darum situativ.

Transformationale Führung (TFF): Vorbild, Sinn, Eigenverantwortung und Coaching

Die beiden Wissenschaftler, Bernard Bass und Bruce Avolio, beschrieben 1995 vier Eigenschaften, welche Führungskräfte entwickeln müssen, um Ziele überdurchschnittlich zu erreichen.

Identifizierend (idealized influence)

Die Pflegemanager werden als authentisch (echt) und wahrgenommen. Dies fördert Respekt, Vertrauen und damit die Identifikation mit der Führungskraft. Wenn Sie als Pflegeleitende tun, was Sie versprechen, werden sie zum Vorbild und die Mitarbeitenden werden sich auf Sie verlassen.

Inspirierend (inspirational motivation)

Hierbei geht es um den Sinn der Arbeit. Damit Pflegende einzelne Aufgaben und Ziele «in das grosse Ganze» einordnen können, hilft eine Vision und Mission als Orientierung.

Mitarbeitende müssen verstehen. Nur wenn die übergeordnete Aufgabe (Vision, Mission) der Organisation klar ist, wird sich das Pflegeteam damit identifizieren können. Und Identifikation ist die Grundlage für die Motivation von innen (intrinsische Motivation).

Weiter müssen Pflegemanager Zuversicht vermitteln, die Zusammenarbeit im Pflegeteam fördern und damit anspruchsvolle Ziele ermöglichen.

Intellektuell (intellectual stimulation)

Tranformationale Pflegemanager ermutigen Mitarbeitende zur eigenständigen Problemlösung und motivieren zum kritischen Hinterfragen von gewohnten Denkmustern. Entsprechend werden Pflegende geistig gefordert und sensibilisiert, Probleme als Chancen zu erkennen und im Sinne des Ganzen – der übergeordneten Aufgabe (Vision, Mission – zu handeln. Pflegefachkräfte übernehmen Verantwortung und werden damit zu Mitunternehmern.

Individuell (individual consideration)

Die Leitenden des Pflegedienstes führen Mitarbeitende individuell und situativ passend. Von Pflegenden wird gefordert; gleichzeitig werden Sie anhand der Stärken gefördert. Pflegemanager sind Mentor und Coach, sie fördern und fordern.

Leitlinien als Orientierung für Pflegemanager

Die transformationale Führung bietet Leitlinien als Orientierung für die Pflegedienstleitung und Stationsleitung.

Besonders der letzte Punkt – Individuen fördern und fordern – kommt in der Pflege häufig zu kurz, ist jedoch essenziell. Eine Möglichkeit dies umzusetzen bietet das Führungsmodell «Situativ führen II», welches ich in einem späteren Blogartikel ausführen werde.

Wichtig scheint mir die Erkenntnis, dass Pflegekader immer Führungskräfte sind – auch BerufsbildnerInnen und Pflege-Experten. Wer sich dessen bewusst ist, hat den ersten wichtigen Schritt zur effektiven Führungskraft gemeistert.