Wenn Widerstand das Projekt vernichtet

Feuer (Dominik Moser)

Mit dem Kopf durch die Wand. Wer kennt die Situation nicht. Ein Projekt, von der Unternehmensleitung initiiert, wird durchgeboxt. Die Projektleitung interessiert sich nicht für das Umfeld und geht sinnbildlich mit Vollgas durch die Wand. Das nötige Feingefühl fehlt.

Solche Aktionen bedeuten den sicheren Misserfolg des Projektes. Warum? Sowohl der Auftraggeber, in diesem Fall die Geschäftsleitung, wie die Projektleitung sind für den Projekterfolg verantwortlich. Ignoriert man Widerstand, wird er zunehmen. Ist das Projektteam jedoch offen für Meinungen anderer, wird die Akzeptanz steigen.

Was ist Widerstand?

Widerstand umfasst alle Handlungen mit der Absicht, die Wirkung anderer Handlungen abzuschwächen.

  • Widerstand in der Physik: Ausgeprägte Eigenschaft von Stoffen, ein Vorgang zu hemmen.
  • Widerstand in der Psychologie: Prinzipielle Haltung gegen Regeln und Normen, bewusste Ablehnung von Veränderungen.
  • Widerstand in der Politik: Gehorsamsverweigerung (passiver Widerstand), Opposition (aktiver Widerstand)

Wie Widerstand entsteht

Die Ankündigung eines Projektes reicht oft aus, um Unsicherheit auszulösen. Die Ursache dessen liegt in der Angst vor Neuem. Das gewohnte Umfeld wird mit etwas Unbekanntem ersetzt.

Weitere Faktoren sind fehlendes Verständnis über die Hintergründe oder fehlendes Vertrauen in die Führung.

Besonders bei Grossprojekten entsteht Widerstand, wenn unklar ist, wer genau davon betroffen ist und ob mit negativen Folgen gerechnet werden muss (z.B. Kündigungen).

So erkennen Sie Widerstand …

Verschiedene Widerstandstechniken führen zum Erfolg. Der Projektleiter muss entsprechend genau hinschauen und ein Gespür entwickeln, für mögliche Widerstandsanzeichen wie:

  • Mangelhafte Verfügbarkeit
  • Lustlose Mitarbeit
  • Mühsamer Fortschritt
  • Häufige Diskussionen über Kleinigkeiten
  • Fehlender Entscheidungswille
  • Probleme werden nicht ehrlich diskutiert
  • Häufige Abwesenheiten durch Krankheit
  • Hohe Fluktuation
  • Gerüchte und Intrigen
  • Zunehmende Bürokratie
  • Zunehmende Kopie-Kultur bei E-Mails (CC, BCC)
  • Abnehmende Arbeitsqualität

Positive Aspekte von Widerstand

Jeder Widerstand zeigt, dass sich etwas verändert. Das ist positiv und für jedes Projekt notwendig. Hinzu kommt die Möglichkeit, von Betroffenen zu lernen und das eigene Tun zu reflektieren.

Mit Widerstand umgehen

Der richtige Umgang mit Widerstand ist entscheidend. Bewährt haben sich folgende Ansätze:

  • Projektmotivation sicherstellen (Nutzen und Ziele)
  • Transparent und nachvollziehbar kommunizieren
  • Alle Betroffenen regelmässig über den Projektstand informieren (Beziehungen zu allen Anspruchsgruppen pflegen)
  • Für das Projekt werben (Projektmarketing)
  • Konsequenzen des Widerstandes aufzeigen
  • Kritiker in die Projektarbeit einbeziehen
  • Gemeinsam mit Kritikern die Perspektive wechseln (im Dialog unterschiedliche Sichtweisen einnehmen)

Fazit: Widerstand bringt das Projekt weiter, muss jedoch als Chance erkannt werden

Wer mit dem Kopf durch die Wand will, wird unter Schmerzen leiden. Sinnvoller ist es, Kritiker im Projektboot zu begrüssen und offen zu empfangen. Es gehört zur Aufgabe jedes Projektleiters, Brücken zu bauen und Kritiker zu überzeugen.

Zum Schluss ein Zitat:

Es ist schwierig, jemanden etwas verstehen zu machen, wenn sein Einkommen davon abhängt, es nicht zu verstehen.
Upton Sinclair

(Foto: Dominik Moser)