Careum Forum 2012: Innovation im Gesundheitswesen

Am diesjährigen Careum Forum ging es um Innovation im Gesundheitswesen. Doch was ist überhaupt Innovation? Und warum müssen wir innovieren?

Innovationsprozesse gestalten: Von der Idee zur Umsetzung

Einleitend erläuterte Norbert Thom, Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bern, wie Organisationen Innovationsmanagement professionell gestalten. Seine Kernaussagen:

  • Für Innovation braucht es verschiedene Talente: Vom Strategen über Koordinatoren bis hin zu den Kritikern.
  • Merkmale von Innovationen sind Neuigkeitsgrad (für die eigene Organisation bis zu weltweiten Neuerungen), Komplexität (je mehr Spezialisten beteiligt sind, desto komplexer), Risiko (alles Neue ist mindestens dreimal so risikoreich wie Bestehendes) sowie der Konfliktgehalt (ringen um die bessere Lösung; emotionalen Streit vermeiden).
  • Es gibt drei Arten von Innovation: Erstens die Produkt- und Dienstleistungsinnovation (das Richtige tun), zweitens die Verfahrensinnovation (die Dinge richtig tun) und drittens die Sozialinnovation (wie motiviere ich die besten Menschen, die bestmögliche Leistung zu erbringen).
  • Innovation braucht drei Arten von Förderern: Fachpromotor (objektspezifisches Fach- und Methodenwissen), Prozesspromotor (Kontakte und Verbindungen) und  Machtpromotor (hierarchisch legitimierte Macht als «schützende Hand»)
  • Ideen müssen transparent gesammelt und beantwortet werden. Wer einmal unbegründet ignoriert wird, wird sich kaum mehr einbringen.

Eine(r) allein schafft das nicht.
Norbert Thom

Innovative Praxisprojekte für Jung und Alt im Gesundheitswesen

IG Kidsempowerment: Selbstmanagement von Kindern und Jugendlichen mit Problemen bei der Ausscheidung fördern

Im Anschluss wurden zwei Projekte aus dem Gesundheitswesen vorgestellt. Die «IG Kidsempowerment» vereinigt Pflegefachpersonen aus unterschiedlichen Kinderkliniken und -organisationen der Deutschschweiz. Gemeinsam unterstützen sie Kinder mit neurogenen Störungen bei der Blasen- und Darmentleerung (Inkontinenz) sowie deren Angehörige.

Sie bieten spezifische Seminar-Wochenende an. Zuvor wurden solche Schulungen im Rahmen eines mehrtägigen Spitalaufenthalt durchgeführt. Gleichzeitig können sich betroffene Kinder, Jugendliche und Angehörige austauschen und gegenseitig von Erfahrungen profitieren.

Grundlage für die gemeinsame Arbeit bietet einheitliches Informationsmaterial sowie der kontinuierliche Ausbau vom bestehenden Wissen rund um Inkontinenz bei Kindern und Jugendlichen.

Hausbesuche SiL

Das Projekt «Hausbesuche SiL» (Sozialmedizinische individuelle Lösung) begleitet Menschen mit Demenzerkrankungen und unterstützt deren soziales Umfeld. Ziel der Fachpersonen ist, Menschen mit einer Demenzerkrankung zu unterstützen, damit jene möglichst lange daheimbleiben können. Konkret zeigen sie Möglichkeiten auf, wie der Alltag bewältigt werden kann, nötigenfalls mit Unterstützung von Aussen wie beispielsweise der Spitex für die Medikamenteneinnahme.

Für Demenzerkrankte ohne soziales Umfeld übernimmt SiL die Koordination der Betreuung als Case Manager.

Impulse für Innovationen durch Aus- und Weiterbildung

Als letzter Teil orientierte Karl Weber, Soziologe und Erziehungswissenschaftler, über Veränderungen im Bildungsmarkt.

Zuerst erläuterte er, wie sich die Berufs- und Hochschulbildung in den letzten Jahren verändert hat. Auffallend ist die enorme Differenzierung (vertikal und horizontal). Vertikal beispielsweise mit der Fachhochschule und horizontal beispielsweise mit der Berufsmaturität und der Attestausbildung, nebst der Berufslehre.

Weiter wird die Arbeit je länger je mehr aufgeteilt. Für jede Spezialisierung gibt es Zusatzabschlüsse. Tätigkeiten, welche bereits seit Jahren einfach getan wurden, werden zur Profession — beispielsweise Facility Management.

Schliesslich vergleicht Weber schulisches und betriebliches Lernen. Die Schule bietet wenig überraschend mehr Spielraum als eine Unternehmung oder Organisation. Entscheidend sei jedoch das Zusammenspiel von schulischem und betrieblichem Lernen. Dafür sein wichtig, dass die berufliche Arbeitsteilung nicht auf die Spitze getrieben wird.

Die autonomen, individuellen Lernpotenziale werden unterschätzt.
Karl Weber

Innovativ sein im Gesundheitswesen

Am Careum Forum gab es Platz für Theorie und Praxis. Es wurde klar, wie wichtig es ist, sich zu überlegen, wie man als Organisation innovieren will. Es braucht Rahmenbedingungen, welche Ideen einen Platz einräumen und Menschen, die umsetzen. Denn nur wer umsetzt, ist innovativ. Alle anderen sind Schwätzer mit Ideen.